Am 29.01.2011 demonstrierte eine Ansammlung von etwa 150 sog. „Nationalen Sozialist_innen“ durch Wuppertal, um unter anderem gegen das Autonome Zentrum Wuppertal Stimmung zu machen. Subjektiv empfunden wurde der Samstag durch unverhältnismäßige Polizeigewalt und eine neue Qualität an rechter Gewalt einhergehend mit zunehmender Militarisierung des rechten Spektrums und massivem, aus einem breitem Spektrum hervortretenden Widerstand gegen selbiges dominiert. Desweiteren bleibt festzustellen, dass die Lokalmedien durch stümperhafte Berichterstattung ein falsches Bild der Gesammtsituation liefern, in dem sie den ohnehin schon unglaubwürdig verfassten und weinerlichen Bericht der Polizei teilweise lückelos übernimmt.

Bereits am morgen soll es im Essener sowie im Solinger Hauptbahnhof zu Zusammenstößen beider Lager gekommen sein. Während der Ablauf in Essen nicht bekannt ist, soll es in Solingen im Hauptbahnhof gegen 11 Uhr zu einem versuchten Angriff etwa 60 teils bewaffneter Neonazis auf eine wesentlich kleinere Gruppe Antifaschist_innen gekommen sein. Während die Genoss_innen auf dem Bahnsteig auf ihren Zug warteten, sammelte sich etwas oberhalb der Berliner Brücke eine Art rechtsmilitantes Überfallkommando, welches kurz darauf im Bahnhof einmarschierte. Während die anwesenden Antifas vorerst das Feld räumten, bewegten sich die Nazis durch das Gleisbett, zum einen um auf den mittleren Bahnsteig zu kommen, zum anderen laut Zeug_innenaussagen um sich mit Steinen zu bewaffnen und den nächsten Zug anzugreifen. Dies brachte den Zugverkehr in und um Solingen für Stunden zum erliegen.

Bedingt dadurch verlies eine größere Gruppe Gegendemonstrant_innen etwa 500m vor dem Bahnhof den durch die Gleissperrung gestopten Zug und blockierte spontan und friedlich die Gleise, während sich die im Bahnhof angegriffene Antifa-Gruppe auf einer Art Bauhof sammelte. Bis zum ersten Eintreffen der Polizei vergingen etwa 40 Minuten, da die anrückende Polizei über veraltetes Kartenmaterial verfügte. Die Fahrzeuge waren größtenteils neuer als die Karten in den Handschufächern, blamabel. Diese fuhr erstmal zum alten, mitlerweile stillgelegten Solinger Hauptbahnhof in etwa 8Km Entfehrnung und musste dort Passant_innen nach dem Weg fragen.

Insgesammt konnten die im Bahnhof gefangenen Nazis etwas mehr als 2 Stunden und 30 Minuten so festgesetzt werden. In der Zwichenzeit war der gesammte Zugverkehr zwichen Köln, Wuppertal, Düsseldorf sowie einzelne Linien teilweise bis Bonn, Hagen und Dortmund lahmgelegt. Insgesammt sollen 42 Züge am Samstag bedingt dadurch komplett ausgefallen sein. Letztenendes ist es allerdings lediglich dem Kuschelkurs der Polizeieinsatzleitung zu verdanken, dass die Nazis noch nach Wuppertal kamen, da diese die Nazis mit Bussen der WSW ins Tal karrte.

Gegen 14 Uhr wurde der Zugverkehr auf der Strecke kurzzeitig wieder aufgenommen. Kurz zuvor räumte die Polizei die Gleisblockade, aber bis dahin waren bereits alle Antifaschist_innen aus der Umgebung verschwunden und auf irgenteinem Weg nach Wuppertal.

Festzuhalten bleibt zu diesem Vorfall, dass es sich hierbei vor allem um eine neue Stufe der rechten Militarisierung handelt. Der Angriff im Hauptbahnhof muss geplant gewesen sein, Zeug_innen sprechen von insgesammt drei möglichen Nazi-Melder_innen. Außerdem waren auch hierbei wieder ‚Alte bekannte‘ mit von der Partie, mehr dazu später.

Ebenso eindeutig und wirkunsgvoll war der Widerstand in Wuppertal. Während mehere Hundert Demostrant_innen auf dem Kirchplatz den Kundgebungen und Konzerten folgen, zogen bereits ab 10:30Uhr geschätze 1000 Menschen vom Kundgebungsort über die B7 in Richtung Unterbarmer Bahnhof, wo die Nazidemo starten sollte. Auf halber Strecke wurde dieser Aufzug durch ein massives Polizeiaufgebot und teilweise durch unverhältnismäßige Polizeigewalt gestopt. Neben Schlagstockeinsätzen kam es zu flächendeckenden Reizgaßeinsätzen, nach dem Motto „Pfefferspray aus allen Rohren“. Davon betroffen waren neben friedlichen bürgerlichen Demonstrant_innen auch einige Mitglieder des Landtags, wie Bilder beweisen. Die Bundesallee B7, eine der Hauptverkehrsadern in Wuppertal, war in Folge dessen über Stunden gesperrt, was das Tal endgültig in ein totales Verkehrschaos stürzte, da obendrein die Schwebebahn aufgrund angeblicher Wartungsarbeiten außer Betrieb war. Stau überall, für alle und Jede_n war das Resultat und das wegen einem irrelevanten und lächerlichen Nazi-Aufmarsch!

Unterdessen war der Bahnsteig des Unterbarmer Bahnhofs von etwa 200 Antifaschist_innen besetzt. Auch hierbei ging die Polizei unverhältnismäßig brutal bei er Räumung vor. Neben Schlagstock- und Pfeffersprayeinsätzen wurden gezielte Faustschläge ins Gesicht sowie der beherzte Einsatz der Hundestaffel dokumentiert.

Bedingt durch die Verspätung der Anreisenden Nazis und die chaotischen Zustände in Barmen und Elberfeld konnten Nazi Gruppen unbehelligt durch die Straßen ziehen. So kam es zu meheren teils heftigen Zusammenstößen. Eine Gruppe Neonazis zb, welche eine kleinere Gruppe Antifas bedrohte musste sich in Schutzhaft bei ihren Freund_innen der Polizei begeben, nachdem mehere Dutzend Antifas den bedrohten Genoss_innen zur Hilfe eilten und die Nazis über die Straße in die Polizeiwache und somit direkt in die GeSa jagten.

Um etwa 16 Uhr setze sich der braune Aufmarsch nach dem Zitat „Dem Terror von Links kann nur durch viel härteren Terror von rechts begegnet werden…“ mit über 4 Stunden Verspätung in Bewegung. Eine nochnie da gewesene Entscheidung und das obwohl die Route nicht wirklich gesichert war. Gegendemonstrant_innen hatten sich inwzichen in der ganzen Gegend verteilt und sogut wie an jeder Kreuzung standen zahlreiche von ihnen. So fand auch das ein oder andere Wurfgeschoss wie zb ein Döner oder zahlreiche Ayrans ihren Weg ins Ziel.

Gegen etwa 17:15 Uhr erreichte die Nazidemo den Hofkamp, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Zu diesem Zeitpunkt war die angemeldete fünfstündige Demonstrationszeit bereits um 15 Minuten überzogen. Nachdem Antifaschist_innen bereits den ganzen Nachmittag immerwieder spontan durch die Fußgänger-Zone oder die Garthe demonstrierten, bildete sich diesen Zeitpunkt unter der Straßenunterführung am Döppersberg ein große Demonstration aus einem Zusammenschluss von aus Barmen zurückkehrenden Demonstrant_innen und Blockierer_innen und einer ihr entgegenziehenden anarchistischen Spontandemo.
So zogen Schätzungen zur Folge etwa 1200-1500 Menschen zur Kreuzung am Hofkamp, um die Naziabschlusskundgebung abzupfeifen. Etwa ein zehnfaches der Teilnehmer_innenzahl der Nazis zu dem Zeitpunkt.

Auf der Abschlusskundgebung wurde seitens der Nazis -wie auf der gesammten Demo- mehr Gewalt propagandiert als alles andere. Während unterwegs Sprechchöre wie „Haut den Linken die Schädeldecke ein“ zu vernehmen waren, hetzen Reitz, Haller und Breidenbach auf der Abschlusskundgebung weiter. Hier eine Dokumentation der Hass-Demo der Nazis:

Vorallem die Aufforderung „den Idioten ihre roten Fahnen in den A**** zu stecken“, nahmen an späteren Abend wieder im Solinger Hauptbahnhof einige Nazis zu wörtlich oder versuchten es. Gegen 20 Uhr soll es dort zu einer weiteren Auseinandersetzung gekommen sein, bei dem Nazis u.A. mit Stühlen auf heimreisende Gegendemonstrant_innen geworfen haben. Laut Zeug_innenaussagen soll dabei u.A. der Einpeitscher dieser sowie der vergangenen Nazi-Demo in Velbert-Neviges, Michael Schneider aus Solingen, maßgeblich beteiligt gewesen sein.

Wenig später wurde eine durch die Straßen schwadronierende Gruppe von etwa 10 Neonazis in Leichlingen gesichtet, welche genau so schnell verschwunden war, wie sie aufgetaucht ist, zum Ärgernis einiger Kiezsportler_innen die gewillt sind auch ihre eigene Hood gegen jegliche Pappkamerader zu verteidigen.

Nachdem der braune Spuk in Wuppertal um etwa kurz nach 18 Uhr offiziell beendet war, zeigte sich die Polizeieinsatzleitung wieder extrem nazifreundlich und spendierte den Naßen eine weitere kostenlose Busfahrt mit 2 WSW-Gelenkbussen nach Vohwinkel. Die Zuglinie der RB 48 war weiterhin gesperrt, die RE 7 „polizeilich abgesperrt“, obwohl der Wuppertaler Hauptbahnhof ebenfalls um 18 Uhr wieder geöffnet wurde. Ein dementsprechendes Menschenchaos gab es dafür am Düsseldorfer Hauptbahnhof und hat es dort wohl auch den ganzen Tag gegeben.

Letztendlich bleibt die Durchführung der über vier Stunden verhinderten Demo äußerst fragwürdig. Anstelle zu demonstrieren mussten Nazis stellenweise durch einen Gemüsehagel rennen, während die Polizei allerorts überfordert war damit die Lage halbwegs unter Kontrolle zu bringen. Während der Demo kam es trotz Großaufgebot an Poliezeieskorte zu unzähligen Zusammenstößen. Laut Angaben 1.500 Beamt_innen sowie 2 Hubschrauber waren dazu nötig. Die Demonstration sowie die Abschlusskundgebung konnten nur unter extremen Polizeischutz stattfinden.

Mit ca. 80 Verhaftungen bis 18 Uhr bringen die Nazis überdessen mehr Leute in der PG zusammen, als etwa 20x soviele Gegendemonstrant_innen. Alleine das sprich schon eine deutliche Sprache und ist widersprüchig mit dem Duktus der Presse, wo fast überall nur von bösen Autonomen und gewaltbereiten Antifas die Rede ist. Demzufolge soll ein Großteil der 5000 Gegendemonstrant_innen in Wuppertal randaliert haben und etwas mehr als 70 von ihnen sollen verhaftet worden sein. Die Nazis hingegen, welche nur mit grade mal 150 Leuten angereist sind, sollen friedlich gewesen sein, bringen aber mit angeblich 80 Ingewahrsamnahmen fast ihre halbe Demo in die GeSa. Insofern ist die Berichterstattung der WZ, RP und Co Blödsinn. Lediglich dass es in Solingen am Morgen zu keinen Gewalttaten gegen Polizeibeamt_innen oder Sachbeschädigungen kam und das ein deutliches Zeichen gegen Rechts gesetzt wurde sind hierbei als brauchbare Informationen verwertbar, der Rest wirkt sich kriminalisierend auf eine in den heutigen Tagen besonders notwendig gewordene antifaschistische Bewegung aus und ist schlichtweg aus dem Bericht einer geschlagenen, vorgeführten und offensichtlich über die Vorgänge gekränkten staatlichen Behörde abgeschrieben.

Ein weiterer Umfassender Bericht über das, was wir mit „Alten Bekannten“ die ganze Zeit meinen, folgt in den nächsten Tage.

Autonome Antifa Leichlingen