Wie bereits an dieser Stelle geschildert bahnt sich ein baldiger Baubegin in der Leichlinger Stadtmitte, vor allem im Stadtpark an. Dies bedeutet zum Einen, dasz mit dem Mitspracherecht der oder des Einzelnen in der sogenannten „repräsentatieven Demokratie“ nicht besonders viel zu erreichen ist, da dieses gar nicht vorhanden ist und bestenfalls auf dem Papier existiert. Zum Anderen legetimiert es schon lange notwendig gewordene, kreatievere Protestformen bis hin zum zivilen Widerstand und der Stilllegung des öffentlichen Lebens.

Um dies auch umzusetzen waren und werden einige Überlegungen erforderlich (sein). An dieser Stelle wurden bereits Spekulationen zum Ablauf des Baus im Stadtpark veröffentlicht. In diesen wird nach wie vor von autonomer Seite festgehalten, lediglich der Zeitpunkt des Arbeitsbeginns ist noch unklar.  Denoch wird versucht, dies in Erfahrung zu bringen und natürlich wird dies dann schnellstmöglich der (wütenden) Bevölkerung mitgeteilt werden. Welche Mittel zu Verbreitung dieser Informationen neben dem Internet gewählt werden, wird bis dahin offen gelassen.

Der Leichlinger Bahnhof – ein weiterer Aufreger

Nachdem die Situation in Sachen Stadtpark bereits überzogenerweise als „Leichlingen 21“ betitelt wurde, bahnt sich Selbiges momentan im wahrsten Sinne des Wortes am Bahnhof an. Still und heimlich hat die Deutsche Bahn mit dem umstrittenen Umbau des Leichlinger Bahnhofs begonnen. Neben dem wegfallenden Dach und den wegfallenden Parkplätzen und sonstigen Verschlechterungen der Bahnhofssituation ist in dem Umbau auch eine Gefahr für den Weiterbetrieb des Bahnhofskiosk „An’na Bahn“ zu sehen. Bis dato ist die Planung der Bahn völlig unklar, im schlimmsten Fall verliert der Kioskbetreiber durch den Wegfall der BerufspendlerInnen als Kundschaft bedingt durch andere Bahnhofszugänge sein Geschäft. Das Raggae-Kiosk ist unter Anderem für seine jährlich stattfindende OpenAir-Party bekannt, an welcher vor wenigen Wochen erst über 500 Jugendliche teilnahmen.

Somit stellt Bau am Bahnhof in seinem fortgeschrittenen Stadium einen weiteren Angriff auf in Leichlingen ohnehin schon selten gewordene alternative Freiräume dar und ist ebenfalls konsequent zu beantworten.

„Wir sind hier nicht in Stuttgart, Herr Grube!“,

so die Worte eines erboßten Leichlinger Schülers über die Entwicklungen am Leichlinger Bahnhof am Donnerstag Abend.

Discount- und Heuschrecken-Eldorado

Die Leichlinger Stadtverwaltung scheint in dem Projekt ‚WupperWandel‘, insbesondere in einem völlig überdemensionierten „Vollsortiementer“, eine Art „alternativlose Notwendigkeit“ zu sehen. Mit Worten wie

„Beim Wupperwandel steht die städtebauliche Öffnung zum Fluss im Mittelpunkt.“

wird dem oder der BürgerIn versucht die Katze im Sack zu verkaufen! Die vorgebrachten Argumente zur „Stärkung des Leichlinger Einzelhandels“ sind in etwa so dünn wie ein Haar, wenn mensch überlegt dasz ein mehere Tausend Quadratmeter großer Billig-Discounter entstehen soll. Anstelle einmal darüber kritisch nachzudenken, werden lieber Floskeln wie

„Die Stadt Leichlingen sieht eine einmalige Chance, im Rahmen eines Grundstückstauschs dafür zu sorgen, dass Leichlingen anstelle des unschönen, längst nicht mehr zeitgemäßen Einkaufszentrums „Kaufpark“ und der benachbarten Tankstelle wieder einen attraktiven Vollsortimenter im Lebensmittelhandel ins Zentrum bekommen – wie von vielen Bürgern gefordert – und einem städtebaulichen Missstand vorzubeugen, da der gegenwärtig dort etablierte Lebensmittel-Markt nicht dauerhaft am Standort bleiben wird.“

gebracht und das aus allen Rohren. Grade das Wort „wieder“ in diesem völlig absurdem Absatz könnte der oder dem Außenstehenden vermitteln, dasz in Leichlingen ein ernst zu nehmender Versorgungsnotstand wenn nicht gar eine schlimme Hungersnot oder Dergleichen droht. Was derartige Panikmache angeht, sollte sich zuerstmal über den Winterdienst und den damit verbundenen, tatsächlichen Notstand gekümmert werden, um jetzt hier nur ein Beispiel zu nennen!  Für kritische LeichlingerInnen entsteht zudem der Eindruck, dasz die oder der VerfasserIn dieser Zeilen noch nie in der Blütenstadt gewesen sein kann!

Faktisch stellt sich die Sachlage nämlich ganz anders dar: Neben dem bestehenden und durchaus ausreichenden Kaufpark an der Neunkirchenerstraße existieren noch:

Innenstadt (ca. 22.500 EinwohnerInnen):

  • Ein Lidl am Germaniabad
  • Ein Kaisers am Schulzentrum
  • Ein Netto auf dem Freße-Gelände
  • Ein Trinkgut auf dem Freße-Gelände
  • Ein Aldi oben an der Brückenstraße
  • Ein Schlecker in der Gartenstraße
  • Ein IhrPlatz in der Brückenstraße

Witzhelden (ca. 5.455 EinwohnerInnen):

  • Ein Edeka an der Solingerstraße
  • Ein Schlecker am Markt

Billig-Schrottläden wie „KODI“ oder „tEDI“ (beide auf der Brückenstraße) ergänzen unter Anderem das Angebot im alltäglichen Bedarf. Dazu kommen zahlreiche kleine Geschäfte und Gastronomiebetriebe im gesammten Stadtgebiet zur Lebensmittelversorgung.

Lediglich „Mikrodörfer“ wie Bremersheide besitzen noch keinen eigenen Supermarkt, ansonsten herrscht bereits ein Überangebot für die grade mal 28.000 EinwohnerInnen der Blütenstadt. Wäre dies nicht genug, sind folgende Discounter zusätzlich bereits für die Innenstadt in Planung:

  • Ein Rewe mit meheren Tausend Quadratmetern Verkaufsfläche mitten im Stadtpark
  • Ein Aldi auf dem Precise-Gelände
  • Ein Edeka an der Trompete

Mit der Aussage der Stadtverwaltung, mensch wolle durch das Projekt „WupperWandel“ den bestehenden Einzelhandel stärken kann also etwas nicht stimmen. Es scheint viel mehr so, als solle eine mögliche Gentrifikation der Innenstadt vorbereitet und der altansässige Einzelhandel der Blütenstadt kaputt gemacht werden. Anders lässt sich dieser Discounter-Ansturm nicht erklären!

Würden die Verantwortlichen in Sachen ‚WupperWandel‘ einmal einen Blick auf das „Bahnhofcenter“ in Remscheid werfen, welches dann doch nicht ganz die erwarteten EinkäuferInnenscharen aufnehmen muss, würde sofort klar sein, dasz es hier wesentlich schlimmer kommen wird. Es wird eine Discounterruine dort stehen, wo jetzt noch Kinder spielen und der familiäre Einzelhandel wie wir ihn kennen wird den Bach runter gehen. Es wird knallen und brennen, es werden vermeintliche Schuldige gesucht werden, aber etwas produktieves gelernt wird aus dieser Angelegenheit vermutlich und bedauerlicherweise zumindest für die Obrigkeit nix. Außer vielleicht wie es sich anfühlt, wenn das Volk auf die Barrikaden geht, zum Beispiel am Tag-X!

Mit solchen Thesen soll ausdrücklich keine Panik geschürt werden. Im Gegenteil, einige Menschen sehen es kommen und möchten lediglich drauf aufmerksam machen!

Was ist Tag-X und was passiert dann?

Mit Tag-X ist nachwievor der Tag gemeint, an dem die Arbeiten -im Detail der Abbruch und die Rodung des bestehenden Parks- beginnen. Wie bereits erwähnt ist dieser Tag-X noch nicht terminiert, zumindest nicht öffentlich bekannt. Da nicht absehbar ist, ob und wie weit im Vorraus der Termin bekannt sein wird, gibt es zwei Anlaufpunkte für Tag-X:

-08:30 Uhr, Bahnhof Leichlingen

-15:00 Uhr, (regulärer) Busbahnhof Leichlingen

Dort kann sich dann gesammelt und weiter überlegt werden, wie vorgegangen werden kann oder auch nicht.

KOD? Kot!

Eines soll an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden und zwar das „Fingerspitzengefühl“ des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Leichlingen. Bereits vor wenigen Wochen fielen die Stadt und deren geldeintreibende Schergen durch äußerst fragwürdige Vorgehensweise was vermeintliches Falschparken am Bahnhof anging auf.  Das Echo war laut und wütend und sorgte sogar im Online-Teil der „Rheinischen Post“ für einige Schlagzeilen.

Auch auf der bereits erwähnten Raggae-Party vor wenigen Wochen am Leichlinger Bahnhof fielen sie unangenehm auf, indem sie nicht nur den Anmelder der Party durch dämliche Auflagen sondern auch die Partygäste durch willkürliche Kontrollen nervten.

Neben Knöllchenschreiben fallen die Außendienst-Mitarbeiter (alle männlich) durch ihr Macker-Gehabe auf. Außerdem führen sie seit den Tumulten im Rahmen einer Stadtratssitzung im vergangenen Herbst dort Eingangskontrollen durch, was einfach nur skandalös ist. Neben dem Abzwacken der Eintrittskarten (!) für die vermeintlich öffentlichen Sitzungen werden dort auch „optische Kontrollen“ durchgeführt, was es zu verurteilen gilt und was mit Demokratie nun wirklich gar nichts mehr zu tun hat. Tag-X könnte somit also auch zum „Pay-Back-Day“ werden.

ParkschützerInnen aus Leichlingen, Juni 2011